Geschichte, Denkmalschutz, Naturschutz und Erhaltung historischen Erbes
Aktuelles von Fortis Colonia e.V.
Köln besitzt eine Waschpforte, aber keine Zollpforte
2025 hatte Fortis Colonia die Sanierung der damals noch als Zollpforte angesehenen Schlupfpforte am Thurnmarkt in Auftrag gegeben und die sanierte Pforte in einem öffentlichen Akt bereits im Mai 2025 der Bevölkerung übergeben. Das Törchen war Teil der rheinseitigen mittelalterlichen Kölner Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts und lag seit dem 17. Jahrhundert in der Sockelzone eines Hauses verborgen. Das historische Mauerwerk war 1964 beim Ausbau der Rheinuferstraße entdeckt und im August 1964 um zehn 10 Meter nach Westen vor das Gebäude Thurnmarkt Nr. 3 versetzt worden. Damals hatten die Verantwortlichen das Törchen fälschlich als Zollpforte identifiziert. Im Zuge der Forschungsarbeit zur mittelalterlichen Kölner Rheinmauer entdeckten Alexander Hess und Dr. Christian Josef Kremer, dass es 1964 zu einer falschen Zuschreibung der Pforte gekommen war und dass es sich bei der Pforte nur um die Waschpforte handeln kann. Ihre Forschungsergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe von Fortis Das Magazin 2025, der Vereinszeitschrift von Fortis Colonia e.V., veröffentlicht.
Die mittelalterliche Kölner Rheinmauer wurde durch viele Tore und kleine Pforten gegliedert. Im zentralen Marktviertel gab es fast an jeder zum Rheinufer führenden Gasse eine Öffnung. Durch das wiederholte Aufschütten der Kölner Rheinwerft verschwanden die Tore während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zunehmend im Erdreich und waren nicht mehr zugänglich. Sie wurden Teil der Sockelzone und der Keller der in die Höhe wachsenden Häuser auf der Stadtmauer. Spätestes mit der Anlage der Vorgärten zum Leystapel (Rheinufer) hin wurden die beiden Törchen, die Zoll- und die Waschpforte, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gänzlich verschlossen.
Die Rheinansichten, etwa die Ansicht Anton Woensams von 1531, und Karten aus verschiedenen Zeiten machen im Vergleich mit dem heutigen Stadtkataster deutlich, dass es sich bei der Pforte nicht um die Zollpforte handeln kann. Diese wäre in der Sockelzone des Gebäudes Thurnmarkt 22–24 bzw. Leystapel 41 zu suchen. An diesem Standort treffen sich heute die südwärts führenden Spuren der Rheinuferstraße und die Abbiegespur der heutigen Straße Heumarkt. Die namentlich nur in der Rheinansicht Woensams 1531 genannte Waschpforte war deutlich kleiner als die Zollpforte und lag direkt nördlich neben dem Rheingassentor. Sie diente den Kölner/innen, um zu den Waschbänken am Rheinufer zu gelangen. Seit der frühen Neuzeit befand sie sich mehr oder weniger sichtbar in der Sockelzone des Hauses Thurnmarkt Nr. 6 am Leystapel. An dieser Stelle braust heute der Verkehr über die Rheinuferstraße nach Süden.
Durch den Bau der Kölner Markthalle, im Bereich des heutigen Maritimhotels, 1904 und den Bau der ersten Deutzer Hängebrücke 1913-15, war das historische Kölner Marktviertel bereits stark verändert worden. Der Wiederaufbau des Viertels nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Leitbild der "autogerechten Stadt" führte zur Verbreiterung der Rheinuferstraße und der Verlegung der Paradiesgasse (heute als Heumarkt bezeichnet) als Auffahrt zur Deutzer Brücke.
Im Zuge dessen wurden auch die letzten verblieben baulichen Reste der östlichen Häuserzeile des Thurnmarkts, die auch die Westseite des Leystapels darstellte, im ersten Drittel der 1960er-Jahre abgerissen. Hierbei kam es auch zur Beseitigung möglicher weiterer oberirdischer Mauerreste der Stadtmauer. Bei den in der Sockelzone am Leystapel des Hauses Thurnmarkt 6 gefundenen Resten einer Schlupfpforte, einem kleinen Mauertor, kann es sich demnach nur um "die wessch poertz", die Waschpforte handeln.
Alexander Hess
Die Pressemitteilung finden Sie hier: PDF
Die NRW-Stiftung fördert die Sanierung der Kölner Zollpforte - im Rahmen der Forschung 2025 als Waschpforte identifiziert - mit 20.000 Euro.
Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (Mitte), Vizepräsidentin der NRW-Stiftung, und Stiftungs-Geschäftsführer Stefan Ast (links) überreichten die Förderurkunde an Dr. Henriette Meynen und Roland Schüler (von rechts), die Ehrenvorsitzende und den Vorsitzenden des Vereins Fortis Colonia e. V. Mit dabei: Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Köln-Innenstadt (Zweiter von links).
Foto: NRW-Stiftung
Die von Fortis Colonia beauftragte Sanierung der einzigen erhaltenen Rheinpforte der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer soll in Kürze beginnen. Am 20.08.2024 übergab Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, die Vizepräsidentin der NRW-Stiftung, gemeinsam mit Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung, die Förderurkunde an den Vorstand des Vereins Fortis Colonia e.V..
FORTIS Das Magazin 2025
Fortis Colonia veröffentlicht in jährlichem Turnus ein eigenes Vereinsmagazin. Es erscheint immer zum Ende des Jahres und enthält Artikel zu einzelnen Phasen der Kölner Stadtbefestigungen und zu Aspekten der als Folge der Befestigung hervorgegangenen Stadtstruktur.
Rückblicke fassen in schriftlicher Form Veranstaltungen des Vorjahres zusammen. Unter der Rubrik "Fundsache" präsentieren wir Ihnen historische Artikel und Berichte rund um die Befestigungen und die daraus entstandenen Grünanlagen. Als letztes finden Sie schließlich in jedem Heft Rezensionen zu neu erschienener (Fach-)Literatur.
Im Bereich Publikationen finden Sie sowohl Informationen zu unseren Publikationen, als auch Rezensionen durch die (Fach-)Presse.
Sollten Sie Fragen haben, so freuen wir uns über Ihre Email.
Das neue FORTIS Das Magazin 2025, 136 Seiten. Inhaltsverzeichnis
Das Magazin kann zum Selbstkostenpreis von 12 Euro unter bezogen werden.
Aufruf von Fortis Colonia: Wer hat Fotos von Wohneinrichtungen, Notunterkünften oder Betrieben in ehemaligen Kölner Befestigungswerken?
Fortis Colonia e. V. ist auf der Suche nach Bildern, Fotos und Geschichten über die nachmilitärische Nutzung Kölner Befestigungswerke unter dem Aspekt des Wohnens oder der Ansiedlung eines gewerblichen Betriebes im Festungsbau. Es sind sowohl Innen- als auch Außenaufnahmen gleichermaßen erwünscht. Nicht die militärische Nutzung, sondern die zivile steht hierbei im Vordergrund, da diese bislang kaum dokumentiert wurde. Dies gilt für die baulichen Überreste der römischen, mittelalterlichen sowie der preußischen Zeit.
Mehr Infortmationen hier: PDF
Pressemitteilung Fortis Colonia zur Luftnachrichtenzentrale des ehem. Fliegerhorstes Köln Ostheim
Auch militärische Bauten verdienen Schutz
In jüngster Zeit ist die Debatte über den Denkmalwert und die Erhaltungswürdigkeit der Luftnachrichtenzentrale des ehemaligen Fliegerhorstes Köln-Ostheim wieder aufgeflammt. Dazu erklärt der Verein Fortis Colonia, der sich in Köln um die Relikte früherer Stadtbefestigungen kümmert:
Die Luftnachrichtenzentrale ist ein bedeutendes - und seltenes - Zeugnis der militärischen Infrastruktur der 1930er-Jahre in Köln. Das Gebäude und sein markanter Turm dienten der Luftaufklärung - sprich: Beobachtung von Flugbewegungen rund um Köln unter militärischen Gesichtspunkten. Luftstreitkräfte waren damals eine junge Waffengattung und erforderten eine völlig neue bauliche Infrastruktur. Die relativ originale Luftnachrichtenzentrale weist einen für Köln einzigartigen Architekturstil auf. Die heimatbezogene Bauweise mit weißen Putzfassaden und Natursteinakzenten etwa am Eingang ist typisch für die Epoche des Nationalismus. Als solches ist das Gebäude ein erhaltenswertes Dokument seiner Zeit.
Gesamter Pressetext: PDF
Plädoyer für Rosengarten
Fortis Colonia und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz widersprechen den Vorstellungen im 'Plädoyer für Rosengarten' im Kölner Stadtanzeiger und in der Kölnischen Rundschau vom 24. 5. 2023 und sprechen sich für einen ordnungsgemäßen und denkmalgerechten Wiederaufbau der historischen Treppe aus.
Wir begrüßen, dass die Bauarbeiten vor dem Zwischenwerk VIII b in Köln-Marienburg endlich zum Abschluss gebracht werden sollen. Jedoch kann dies nur geschehen durch einen ordnungsgemäßen und denkmalgerechten Wiederaufbau der historischen Treppe. Entgegen der Äußerung von Robert Schwienbacher im Bericht des KStA vom 25.05.2023 bildet das Zwischenwerk mit dem Rosengarten und der Treppe eine Einheit und wurde als solches am 01.07.1980 unter Denkmalschutz gestellt.
Gesamter Text: PDF
Unser Buch zum Äußeren Grüngürtel – jetzt zum Sonderpreis von 15 Euro
Eine Grünanlage mit Geschichte. Festungsbauten und Äußerer Grüngürtel in Köln
- Erschienen im November 2015
- 272 S. mit über 300 Abbildungen
- ISBN 978-3-9817714-1-1
- Fortis Colonia, Schriftenreihe Nr. 2
- Die Festschrift zum 70. Geburtstag von Konrad Adenauer enthält einundzwanzig Beiträge von sechzehn Autoren: Konrad Adenauer, Petra Adenauer, Joachim Bauer, Ute Becker, Werner Burauen, Albert Distelrath, Bernd von der Felsen, Alexander Hess, Dieter Klein-Meynen, Henriette Meynen, Klaus Militzer, Mark Sauer, Elisabeth Spiegel, Martin Turck, Dirk Wolfrum, Reinhard Zeese.
- Es gibt wohl kaum eine andere Stadt, die wie Köln eine so weitläufige Parkanlage auf städtischem Gebiet besitzt, deren Geschichte zudem einmalig ist und die außerdem durch diesen Band so gut aufgearbeitet ist. Ein grüner Aspekt der Festung Köln.
























