Der grüne Hügel in Sülz

Artillerieraum – Sülzer Zoo – Naturlehrpfad – Alexander Hess

Am Rand von Sülz erhebt sich inmitten der Parzellen des Kleingartenvereins Kletterrose e. V.1 ein begrünter Hügel. Teilweise ist er von hohen, alten Bäumen bewachsen. Der Hügel und der angrenzende Bereich werden heute als Naturlehrgarten innerhalb der Kleingartenanlage genutzt.

Doch wie kommt dieser Hügel auf das fast ebene Gebiet der westlichen Niederterrasse, die hier um 50 m über dem Meeresspiegel liegt? Bis zu Beginn der 1920er Jahre führte die Ziegeleitätigkeit der Ringofenziegeleien dazu, das Gelände seiner natürlichen Oberfläche zu berauben. Der tiefliegende nördliche Eingangsbereich der Kleingartenanlage zeugt davon, vor allem im Vergleich zur(wiederaufgeschütteten) Hermeskeiler Straße.

Des Rätsels Lösung:
Es handelt sich um die Reste des Artillerieraums (AR) 56,  bzw. Deckstein 2. Er wurde in der ersten Bauphase der Verdichtung des äußeren Festungsgürtels mit Zwischenfeldbauten zwischen 1887 und 1891 errichtet. Die aus Backstein gemauerten Artillerieräume waren praktisch eine Art Bunker zur Unterbringung von zwei Artilleriebatterien und sollten im Falle eines Krieges als zusätzliche Räume
dienen. Insgesamt entstanden damals beiderseits des Militärrings 16 dieser Artillerieräume. Jeweils vor ihnen lag eine Batteriestellung (= ein Geschützstand hinter einem Erdwall). Mit Hilfe solcher Zwischenfeldbauten, zu denen auch Infanterieräume und Munitionsräume gehörten, sollten
die Lücken in der Front zwischen den Forts und Zwischenwerken geschlossen, dem Feind ein Eindringen in die Nähe Kölns erschwert und die Verteidigungsmöglichkeiten optimiert werden. Der Artillerieraum Deckstein 2 hatte wie die anderen in Friedenzeiten erbauten Artillerieräume(Friedenswerke) eine Grundfläche von etwa 200 m2 (20 m Breite x 10 m Tiefe). Die etwa 90 m2 Nutzfläche waren aufgeteilt in drei Räume (jeweils 7,5 x 4 m = 30Om2), von denen zwei der Mannschaft (zweimal 50 Mann) und einer den Offizieren diente. Die Gebäude besaßen keinerlei
Komfort; selbst die Latrinen wurden erst nachträglich angebaut.

Um sie für den Feind unsichtbar zu machen, versenkten die Militärs die Bauten zur Frontseite (oft auch an den Flanken) tief ins Gelände. Die stadtwärtige Kehlseite lag jeweils in einer gegrabenen Mulde. Die Wände und Gewölbedecken waren, wie bereits erwähnt, in Ziegelbauweise
errichtet. Darauf kam eine ein Meter dicke Sandschicht, die von einer 1,2 m starken Betonauflage bedeckt wurde. So versuchten die Bauherren aus Berlin, der Sprengkraft der Brisanzgranaten entgegenzuwirken. Zuoberst lag dann wieder eine Erdschicht mit Buschwerk.

Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags kam es nach dem Ersten Weltkrieg in Köln zur Schleifung des äußeren Festungsgürtels und damit auch des Artillerieraums in Deckstein.

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