Das erste Aktionswochenende 2012 DENKmal

DENKmal

 

Kölns Denkmallandschaft hat noch mehr zu bieten als Dom, romanische Kirchen und Gründerzeithäuser. Befestigungen aus seiner 2000jährigen Geschichte prägten und prägen Kölns Stadtstruktur und Stadtbild. Konzentrische Straßenführungen und Grüngürtel sind Folgen dieser Entwicklung. Aber auch die einst im Stadtgebiet verteilten zahlreichen Kasernen und sonstigen militärischen Einrichtungen boten im Stadtkern Platz für spätere Großbauten oder umfangreiche Umnutzungen.

Fortis Colonia e. V. hat sich zum Ziel gesetzt, diese oftmals noch vernachlässigten Aspekte der Kölner Stadtgeschichte zu erforschen und den Kölnern zu vermitteln, und möchte so zum Erhalt der profanen Denkmallandschaft Kölns beitragen.

Die alljährliche Präsentation einer Auswahl repräsentativer Themen aus diesem Bereich will die Bedeutung dieser Denkmäler allgemein bewusst machen. Denn erst, wenn wir diese Denkmäler kennen, können wir uns wirklich argumentativ für deren Pflege und letztendlich denkmalgemäßen Fortbestand einsetzen.

Der Schwerpunkt unseres diesjährigen Aktionswochenendes liegt in der Römerzeit. Hierbei bildet nicht allein die Römermauer ein Demonstrationsobjekt, sondern ganz besonders auch ihre Einbindung in die heutige städtische Bausubstanz und ihre städtebaulichen Auswirkungen. Ein Gang um ein Teilstück der Römermauer ist verbunden mit der Innenbesichtigung einiger anliegender Bauten. Als Besonderheit ist die Besichtigung der Römermauer unter dem Dom zu erwähnen.

Großen Wert legt Fortis Colonia e. V. auf sachgemäße Vermittlung und so geben Fachleute wie die Leiter der Domgrabung Dr. Hauser und Dr. Back, andere Archäologen wie Frau Dr. Giesler oder Dr. Dodt sowie die einstige Stadtkonservatorin Prof. Dr. Kier Einblick in die Römerzeit und ihre Bedeutung für unser heutiges Köln. Passend zu unserem Thema findet derzeit im Römisch-Germanischen Museum die Ausstellung „Deutz – Divitia“ statt, eine Ausstellung, auf die wir gerne verweisen. Denn auch hier ist eins unserer aktuellen Themen präsent: Die außergewöhnlichen Grabungsfunde innerhalb des römischen Kastells auf der rechtsrheinischen Seite haben auch einen mittelalterlichen Wehrturm zutage gebracht. Fortis Colonia e. V. setzt sich dafür ein, dass das Grabungsergebnis sichtbar in einen archäologischen Park im Rahmen der Anlage des Rheinboulevards eingebunden wird.

Die mittelalterliche Befestigung wird in unserer diesjährigen Veranstaltung am Beispiel der westlichen und südwestlichen herausragenden Bauteile erläutert. Dabei berichten Frau Dr. Dohmen und der Diplomrestaurator Schaab am Außenbau und im Innern des Hahnentores von ihren jüngsten Erkenntnissen bei der Sanierung dieses einst repräsentativsten Kölner Stadttores. Bei Führungen der Traditionsvereine Prinzengarde, Blaue Funken und Rote Funken besteht die Möglichkeit, deren Niederlassungen im mittelalterlichen Mauerbering (Prinzengardeturm, Sachsenturm und Ulrepforte) außen und innen kennenzulernen.

Die „Ritter der Tafelrunde“, ein Verein, der Aspekte des mittelalterlichen Lebens in historischer Verkleidung nachspielt, veranschaulichen in Nachbarschaft dieser mittelalterlichen Baureste einen Ausschnitt aus dem Ritterdasein.

Aus der preußischen Zeit stellen wir von dem inneren Festungsring Fort X, vom äußeren Ring Fort IV bei Bocklemünd, Fort X bei Höhenberg und das Zwischenwerk Va vor.

Im Fort X am Neusser Wall findet ein umfangreiches Programm statt, das durch Soldaten in preußischer Friedensuniform und den Bauernmarkt einen ganz eigenen Charme aufweist.

Im Fort IV, zugleich Gefechtsstand der Kölner Luftabwehr im Zweiten Weltkrieg, werden u. a. dank der organisatorischen Arbeit des Luftfahrtspezialisten Müller sehenswerte historische Fotos gezeigt, und in Bild und Erzählungen wird die Luftfahrtgeschichte lebendig.

Im Zwischenwerk Va – der heutigen Freiluga in Müngersdorf – erläutert die Architektin Dipl.-Ing. Jung Maßnahmen zur Trockenlegung dieses durchfeuchteten Festungswerkes. Beispielhaft soll hier gezeigt werden, was auch in anderen Festungswerken zur Sanierung notwendig ist.

Am Beispiel von Fort X am Nohlenweg erfahren die Besucher durch Herrn Pullem, ein historisch bewandertes Vorstandsmitglied des Vereins Fort X e. V., etwas von der Geschichte und Gestalt des Werkes außen und innen sowie der früheren und heutigen Nutzung, wobei die Umgestaltung in ein grünes Fort in einer eigenen Führung des Gartenarchitekten Krause thematisiert wird.

Die besonders aufwendige Gestaltung eines der „grünen Forts“ und dessen wohldurchdachte Einbindung in das in den 20er Jahren geschaffene riesige Grünprojekt, den Äußeren Grüngürtel auf umgestaltetem Festungsgelände, legt Frau Dr. Meynen in einem Spaziergang dar.

Schließlich weist die Diplomgeographin Junick im Rahmen einer Wanderung durch Grünbereiche im Kölner Nordwesten beispielhaft nach, wie viele Spuren der einstigen Bauten noch im Gelände sichtbar sind.

Eine andere Sicht auf militärische Bauten bietet der Historiker Dr. Schmidt. Er entrollt die Geschichte von für uns heute nicht wegzudenkenden Kölner Sakralbauten, die nicht durch die Säkularisation zerstört wurden, sondern durch ihre militärische Nutzung erhalten blieben.

Der Riehler Heimatforscher Brokmeier führt durch die seit den 1920er Jahren umgenutzten Riehler Kasernen und zeigt hiermit klassische Möglichkeiten des Erhalts von Bauten, die im Zusammenhang mit der Festungs- und Garnisonsstadt Köln standen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Fortis Colonia e. V. die Stadt Köln als eine Stadt mit einer besonders langen, zweitausendjährigen Tradition des Befestigungswesens herausstellen möchte. Hierbei sei nebenbei bemerkt, dass Köln in römischer Zeit zwar selbst bedeutend war und das einzige rechtsrheinische Kastell besaß, aber nicht die größte römische Befestigung im Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland darstellte. Hingegen umstanden die mittelalterlichen Mauern und Gräben das „heilige Köln“ in einem so weiten Bogen, dass dadurch noch vor London, Paris und Wien das Kölner Stadtgebiet zum damals flächenmäßig größten in Zentraleuropa wurde. In preußischer Zeit gehörte Köln mit seinem Umfang und der Vielzahl seiner Werke zu den größten Festungen Deutschlands, aber in anderen europäischen Ländern gab es größere Festungen wie beispielsweise Paris.

Unser Aktionswochenende am 25. und 26. Juni 2011 steht unter der Schirmherrschaft des Kölner Oberbür-germeisters Jürgen Roters. Es wird am 25. Juni um 12.00 Uhr im zentralen Info-Center von Fortis-Colonia in den Räumen des ehemaligen Diözesanmuseums am Roncalliplatz durch den Vorstand von Fortis Colonia sowie Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, in Vertretung des Oberbürgermeisters, und die Kölner Dombau-meisterin Prof. Dr. Barbara Schock-Werner offiziell eröffnet.

Hier die offiziellen Plakate und Programme:

PDF Programm 2012

PDF Fortis Colonia Presseinformation 16.06.2011