Kölner Festungswerke und städtisches Grün

von Dr .Henriette Meynen

 

Köln besitzt wie nur wenige Städte Festungswerke aus der Römerzeit, dem Mittelalter und der preußischen Zeit. Sie alle sind heute mehr oder weniger beachtete Kulturdenkmale. Die meisten von ihnen sind in Grün gebettet und erinnern nicht mehr an ihre einstige Verteidigungsfunktion.

 

Die wenigen überkommenen römischen Relikte wie diejenigen parallel zum Mauritiussteinweg oder der Helenenturm erhielten erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach ihrer kriegsbedingten Freilegung ein schlichtes begrüntes Umfeld zur Ausschmückung.

 

Der Städtebauer Hermann Stübben hob in den 1880er Jahren die wenigen von der Stadt Köln nicht zerstörten Überreste der mittelalterlichen Mauer mit ihren Stadttoren durch vorgelagertes Ziergrün städtebaulich hervor.

 

Die zahlreichen preußischen Festungswerke  lagen schon während ihrer militärischen Nutzung im offenen Gelände des ehemals von Bauten frei zu haltenden Schussfeldes um die Stadt Köln. Die meisten der 21 ab 1815-1847 errichteten Werke des innenstadtnahen Festungsgürtels ließ Köln in den 1880er Jahren  beseitigen, um das in preußischer Zeit dicht bebaute Stadtgebiet weiter nach außen wachsen zu lassen. Einzig Teile des  Fort Forts IV ließ die Stadt als erstes ‚grünes Fort‘ in den um 1888 erstellten Volksgarten integrieren.  In der Zeit um den Ersten Weltkrieg schuf der damalige Gartenamtsleiter Fritz Encke  zwei weitere innenstadtnahe grüne Forts: das Fort I im Friedenspark und Fort X im Inneren Grüngürtel.

 

Die 182 Festungswerke, die ab 1873 bis in den Ersten Weltkrieg weiter außerhalb entlang der damals angelegten Militärringstraße den zeitlich folgenden Festungsgürtel im freien Schussfeld bildeten, sollten eigentlich alle aufgrund der Forderung der Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg vernichtet werden. Dank der Initiative und des ungeheuren Einsatzes des damaligen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer konnten 27 der größeren und älteren Anlagen aus den Jahren 1873-1880 zu Teilen erhalten werden. Wie die älteren preußischen Verteidigungsbauten wandelte Fritz Encke auch diese Forts und Zwischenwerksrelikte in „grüne Forts“ um, d.h. auf ihnen entstanden Grünanlagen vielfältigster Art. Leider existieren heute nur noch 12 dieser Werke, und deren früheren ansprechenden Grüngestaltungen sind nur noch in etwa zu erahnen. Auf dem übrigen einstigen Schussfeld, dem etwa 1 km breiten Rayon legten in den 1920er Jahren ein Teil der damaligen zahlreichen Arbeitslosen, sogenannte Notstandsarbeiter,  den Äußeren Grüngürtel mit seinen Hügeln und Seen sowie den weiten Wiesenflächen und Waldstreifen an.

 

Auf den Festungsgürteln entstanden der Innere und Äußere Grüngürtel. Radiale Grünzüge verbinden sie miteinander zu  einem weltweit einzigartigen Grünsystem. Für viele Köln Besucher und Kölner bilden diese Orientierungsbereiche im Stadtgebiet. In erster Linie aber nutzen viele Menschen sie als Erholungsgebiete.