Archiv für die ‘Forschung’ Kategorie:

Die Kölner Römermauer – Mauerabschnitt Griechenmarktviertel

Die Kölner Römermauer. Mauerverlauf, Geschichte und Erhaltungsprobleme am Beispiel des Mauerabschnitts im Griechenmarktviertel – von Manfred Sabow (2013)

Der Mauerverlauf. Jeder Kölner weiß es: die Geschichte der Stadt fing im Wesentlichen mit den Römern an. Fast 2000 Jahre ist es her, dass Köln mit einer umlaufenden Stadtmauer befestigt wurde. Heute pilgern Besuchergruppen aus der nahen und fernen Umgebung, Touristen aus aller Welt…              Weiterlesen bitte unten….

Die Befestigung von Worringen

  Die Befestigung von Worringen – von Dr. Henriette Meynen

Worringen besaß spätestens seit dem Ende des 13. Jahrhunderts ein Befestigungssystem. Dieses wurde bisher noch nicht ausreichend erforscht.          weiterlesen: ->Die Befestigung von Worringen

Die Würfelpforte

Die Würfelpforte. Wieder da und wieder weg: Die Würfelpforte der Stadterweiterung des frühen 12. Jahrhunderts – von Dr. Rudolf Schmidt

Im Oktober 2010 trat bei Rohrverlegungs-Arbeiten in der Straße Unter Sachsenhausen-Gereonstraße in Höhe des Börsenplatzes ein Mauerzug in west-östlicher Richtung zutage.    weiterlesen –> Die Würfelpforte

 

 

Der grüne Hügel in Sülz

Artillerieraum – Sülzer Zoo – Naturlehrpfad – Alexander Hess

Am Rand von Sülz erhebt sich inmitten der Parzellen des Kleingartenvereins Kletterrose e. V.1 ein begrünter Hügel. Teilweise ist er von hohen, alten Bäumen bewachsen. Der Hügel und der angrenzende Bereich werden heute als Naturlehrgarten innerhalb der Kleingartenanlage genutzt.

Doch wie kommt dieser Hügel auf das fast ebene Gebiet der westlichen Niederterrasse, die hier um 50 m über dem Meeresspiegel liegt? Bis zu Beginn der 1920er Jahre führte die Ziegeleitätigkeit der Ringofenziegeleien dazu, das Gelände seiner natürlichen Oberfläche zu berauben. Der tiefliegende nördliche Eingangsbereich der Kleingartenanlage zeugt davon, vor allem im Vergleich zur(wiederaufgeschütteten) Hermeskeiler Straße.

Des Rätsels Lösung:
Es handelt sich um die Reste des Artillerieraums (AR) 56,  bzw. Deckstein 2. Er wurde in der ersten Bauphase der Verdichtung des äußeren Festungsgürtels mit Zwischenfeldbauten zwischen 1887 und 1891 errichtet. Die aus Backstein gemauerten Artillerieräume waren praktisch eine Art Bunker zur Unterbringung von zwei Artilleriebatterien und sollten im Falle eines Krieges als zusätzliche Räume
dienen. Insgesamt entstanden damals beiderseits des Militärrings 16 dieser Artillerieräume. Jeweils vor ihnen lag eine Batteriestellung (= ein Geschützstand hinter einem Erdwall). Mit Hilfe solcher Zwischenfeldbauten, zu denen auch Infanterieräume und Munitionsräume gehörten, sollten
die Lücken in der Front zwischen den Forts und Zwischenwerken geschlossen, dem Feind ein Eindringen in die Nähe Kölns erschwert und die Verteidigungsmöglichkeiten optimiert werden. Der Artillerieraum Deckstein 2 hatte wie die anderen in Friedenzeiten erbauten Artillerieräume(Friedenswerke) eine Grundfläche von etwa 200 m2 (20 m Breite x 10 m Tiefe). Die etwa 90 m2 Nutzfläche waren aufgeteilt in drei Räume (jeweils 7,5 x 4 m = 30Om2), von denen zwei der Mannschaft (zweimal 50 Mann) und einer den Offizieren diente. Die Gebäude besaßen keinerlei
Komfort; selbst die Latrinen wurden erst nachträglich angebaut.

Um sie für den Feind unsichtbar zu machen, versenkten die Militärs die Bauten zur Frontseite (oft auch an den Flanken) tief ins Gelände. Die stadtwärtige Kehlseite lag jeweils in einer gegrabenen Mulde. Die Wände und Gewölbedecken waren, wie bereits erwähnt, in Ziegelbauweise
errichtet. Darauf kam eine ein Meter dicke Sandschicht, die von einer 1,2 m starken Betonauflage bedeckt wurde. So versuchten die Bauherren aus Berlin, der Sprengkraft der Brisanzgranaten entgegenzuwirken. Zuoberst lag dann wieder eine Erdschicht mit Buschwerk.

Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags kam es nach dem Ersten Weltkrieg in Köln zur Schleifung des äußeren Festungsgürtels und damit auch des Artillerieraums in Deckstein.

Den ganzen Text als PDF:

PDF A-Hess Der grüne Hügel in Sülz

 

Kölner Festungswerke und städtisches Grün

von Dr .Henriette Meynen

 

Köln besitzt wie nur wenige Städte Festungswerke aus der Römerzeit, dem Mittelalter und der preußischen Zeit. Sie alle sind heute mehr oder weniger beachtete Kulturdenkmale. Die meisten von ihnen sind in Grün gebettet und erinnern nicht mehr an ihre einstige Verteidigungsfunktion.

 

Die wenigen überkommenen römischen Relikte wie diejenigen parallel zum Mauritiussteinweg oder der Helenenturm erhielten erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach ihrer kriegsbedingten Freilegung ein schlichtes begrüntes Umfeld zur Ausschmückung.

 

Der Städtebauer Hermann Stübben hob in den 1880er Jahren die wenigen von der Stadt Köln nicht zerstörten Überreste der mittelalterlichen Mauer mit ihren Stadttoren durch vorgelagertes Ziergrün städtebaulich hervor.

 

Die zahlreichen preußischen Festungswerke  lagen schon während ihrer militärischen Nutzung im offenen Gelände des ehemals von Bauten frei zu haltenden Schussfeldes um die Stadt Köln. Die meisten der 21 ab 1815-1847 errichteten Werke des innenstadtnahen Festungsgürtels ließ Köln in den 1880er Jahren  beseitigen, um das in preußischer Zeit dicht bebaute Stadtgebiet weiter nach außen wachsen zu lassen. Einzig Teile des  Fort Forts IV ließ die Stadt als erstes ‚grünes Fort‘ in den um 1888 erstellten Volksgarten integrieren.  In der Zeit um den Ersten Weltkrieg schuf der damalige Gartenamtsleiter Fritz Encke  zwei weitere innenstadtnahe grüne Forts: das Fort I im Friedenspark und Fort X im Inneren Grüngürtel.

 

Die 182 Festungswerke, die ab 1873 bis in den Ersten Weltkrieg weiter außerhalb entlang der damals angelegten Militärringstraße den zeitlich folgenden Festungsgürtel im freien Schussfeld bildeten, sollten eigentlich alle aufgrund der Forderung der Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg vernichtet werden. Dank der Initiative und des ungeheuren Einsatzes des damaligen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer konnten 27 der größeren und älteren Anlagen aus den Jahren 1873-1880 zu Teilen erhalten werden. Wie die älteren preußischen Verteidigungsbauten wandelte Fritz Encke auch diese Forts und Zwischenwerksrelikte in „grüne Forts“ um, d.h. auf ihnen entstanden Grünanlagen vielfältigster Art. Leider existieren heute nur noch 12 dieser Werke, und deren früheren ansprechenden Grüngestaltungen sind nur noch in etwa zu erahnen. Auf dem übrigen einstigen Schussfeld, dem etwa 1 km breiten Rayon legten in den 1920er Jahren ein Teil der damaligen zahlreichen Arbeitslosen, sogenannte Notstandsarbeiter,  den Äußeren Grüngürtel mit seinen Hügeln und Seen sowie den weiten Wiesenflächen und Waldstreifen an.

 

Auf den Festungsgürteln entstanden der Innere und Äußere Grüngürtel. Radiale Grünzüge verbinden sie miteinander zu  einem weltweit einzigartigen Grünsystem. Für viele Köln Besucher und Kölner bilden diese Orientierungsbereiche im Stadtgebiet. In erster Linie aber nutzen viele Menschen sie als Erholungsgebiete.